Der klassische Einzelhandel und dieses blöde Internet

Stationäre Einzelhändlerinnen und Einzelhändler spüren seit Jahren den Konkurrenzdruck aus dem Internet. „Was kann man da schon machen“ heißt es daher vielerorts, und: „Kopf in den Sand und durch, das geht schon vorbei.“ Oder gar: „Das Handtuch werfen, wir haben bereits verloren.“ – Manchmal aber auch, zaghaft: „Neue Chancen nutzen.“ Letzteres hört sich gut an? Ist es auch!

Die Suche nach Schuldigen

Vor allem in den kleineren Städten sind die Auswirkungen des digitalen Wandels inzwischen nicht mehr übersehbar. Leerstehende Ladenlokale, renovierungsbedürftige Häuserfassaden, ungepflegte Fußgängerzonen – und immer weniger Passanten, die sich das antun wollen. Ein Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entkommen gibt. Frust und Resignation sind da nachvollziehbar. Die Suche nach dem Schuldigen ist ein Reflex, die Antwort schnell gefunden: der böse Online-Handel.

Dem Reflex aber sollte die Reflexion folgen. Ist tatsächlich der Online-Handel der Alleinschuldige? Natürlich nicht, die Stadt trifft auch Schuld. Die hat doch dafür gesorgt, dass auf der grünen Wiese die Supermärkte hochgezogen wurden, die die Leute aus der Innenstadt zogen. Und die Kunden selbst! Die tragen auch eine Mitschuld. Immerhin sind sie es doch, die online einkaufen und daher den vormals ach so schönen Einzelhandel vor Ort schwächten.

Wunderbare Lösung

Die Lösung des ganzen Dilemmas, mal abgesehen von dem blöden Supermarkt am Stadtrand, ist naheliegend: Stecker ziehen. Internet abschalten, den jungen Leuten diese doofen Smartphones abnehmen … Und schwupps, die guten alten Zeiten sind wieder da. Wär das nicht schön?

Es wäre nicht mal schön, wenn es irgendwie denkbar wäre. Denn: Es wäre eine vergebene Chance.

Die Suche nach Versäumnissen

Die Zeiten lassen sich nicht zurückdrehen, der verpennte Fortschritt aber lässt sich nachholen. Verpennt? Ohne jeden Zweifel! Und damit noch einmal zur Schuldfrage und vom Reflex über die Reflexion zur Selbstreflexion: Trägt nicht vielleicht auch der Einzelhandel … Nein! Falscher Ansatz, der schon wieder jemand anderem die Schuld in die Schuhe schiebt. Neuer Versuch: Habe nicht ich selbst als Einzelhändler einen Fehler gemacht, als ich die ersten Anzeichen des digitalen Wandels nur belächelte? Hätte ich etwa die Mahnungen von Verbänden, in Händlerzeitschriften, auf Erfa-Tagungen doch Ernst nehmen sollen? Hätte ich vielleicht sogar mit meiner Tochter und mit meinem Sohn ins Gespräch kommen müssen, als sie begannen, online zu shoppen, anstatt ihnen eine Moralpredigt zu halten?

Realistische Lösung

Fragen über Fragen, auf die es eine klare Antwort gibt: Es ist nie zu spät dazuzulernen. Und es gibt viel zu lernen. Die Techniken des Internets haben in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht. Diese Weiterentwicklung beschleunigt sich stetig. Die Verbindungen werden immer schneller, die Hardware immer leistungsfähiger und mobiler, die Software immer cleverer.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es auch immer schwieriger wird, Schritt zu halten oder Verpasstes nachzuholen. Ganz im Gegenteil: Auch die Nutzerfreundlichkeit wird stetig verbessert, die Bedienung immer leichter.

Zu entdecken gibt es vieles. Zum Beispiel die Möglichkeiten, die der Online-Handel nutzt, um im Netz Suchende ins Online-Geschäft zu holen. Diese Instrumente des modernen Online-Marketings sind nicht den Internet-Händlern vorbehalten, nicht einmal ein Online-Shop ist hierzu nötig. Sie wirken auch nicht nur auf Online-Shopper. Sie wirken auf jeden, der sich im Internet umschaut – also tatsächlich auf fast jeden.

Die Suche als Lösung

Der Anteil der Verbraucher, die im Internet suchen, wird in naher Zukunft bei annähernd 100% liegen. Was sie suchen werden, wird von dem abhängen, was sie finden können – so komisch das klingen mag. Werden überwiegend Online-Shops mit ihrem Produktangebot auffindbar sein, so wird die Suche sich auf diese konzentrieren. Interessierte lernen schnell und merken sich, wo Interessantes zu finden ist.

Dabei suchen die meisten gar nicht nach Online-Shops. Sie suchen zuallererst nach Informationen. Die Online-Informationen führen dann zu der Entscheidung, welches Produkt gekauft werden soll. Und der Online-Fundort kann danach darüber entscheiden, wo gekauft wird. Im Online-Shop, der mir die Infos auf seiner Webseite zur Verfügung gestellt hat und nun nur noch einen Mausklick entfernt ist? Oder im Laden um die Ecke, denn es war die Webseite des stationären Einzelhändlers, die mir die Informationen lieferte und nebenbei ins Bewusstsein zurückrief, dass ich das Produkt vor Ort erhalten kann.

Chancen!

Das Internet als Chance begreifen, die Marketing-Instrumente der Online-Konkurrenz nutzen lernen, um schließlich dem reinen Online-Handel Paroli bieten zu können – mehr noch: um Vorteile nutzen zu können, die die Verknüpfung des stationären Handels mit der digitalen Welt zweifelsohne bietet – das sind keine Wunschvorstellungen. Es sind die aktuellen Möglichkeiten, die das Netz jedem stationären Einzelhändler und jeder lokalen Einzelhändlerin zur Verfügung stellt. Nicht Probleme, Chancen sind es – nicht nur für den örtlichen Händler sondern auch für den Ort, an dem er handelt.

Ein Kommentar zu “Der klassische Einzelhandel und dieses blöde Internet

  1. Der Trend zieht sich durch zahlreiche Wirtschaftsbereiche, aber nicht durch alle. Ausgerechnet der klassische stationare Einzelhandel

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