Ehlert persönlich – kleine Abendanekdote

„Ich treff mich gleich mit Paul im TS“ rief mir eben mein Sohn zu. „Mama hat’s erlaubt“ kam noch hinterher. Und ich war irritiert. Es dämmerte bereits. Eigentlich müsste sich mein Sohn doch langsam zum Schlafengehen bereitmachen.

Stattdessen aber nun ins TS. Mama hatte es ja erlaubt – einem elfjährigen Jungen! Und ich konnte sie nicht zur Rede stellen, sie war nicht da. Mit ungutem Gefühl machte ich mich auf, meinem Sohn ein Verbot zu erteilen. Mit ungutem Gefühl. Immerhin war sich meine Frau in Sachen Kindererziehung ganz einig: Sie erzieht, ich trockne ab. Dennoch: Es muss sein, hörte ich mich sagen. Und sprach das Verbot schließlich aus.

Ein langgezogenes „Paapaa“ erhielt ich zur Antwort – was mir sagen sollte: Wie doof bist Du denn! „Wir treffen uns im Te e-eS.“ Nochmals diese gedehnten Vorwurfs-Vokale, diesmal unterbrochen vom Glottal Stop. „Ich hab’s verstaa-anden“ konterte ich – kurz zögernd, weil ich das TS nicht kenne. „Du gehst aber heute Abend nirgendwo mehr hin. Du bist elf Jahre alt!“ Doch wieder dehnte es sich mir entgegen: „Paapaa – Te e-eS. Wir treffen uns im Team Speak!“

Nun hätte Team Speak auch der Name einer Diskothek sein können. Den genervten Intonationen aber entnahm ich endlich, dass sich mein Sohn mit irgendeinem neuen App-Ding über das Internet mit seinem Kumpel ‚treffen‘, also unterhalten wollte. Kürzlich erst hatte ich ihm ein „cooles“ Headset geschenkt, offenbar genau dafür.

Im kommenden Jahr werde ICH die Erziehung meines Sohnes übernehmen. Dann wird er ‚mal ein paar Kneipen von innen kennenlernen. – Und Menschen zum Anfassen.

Sonagramm