Ebay als Retter des Einzelhandels in Mönchengladbach?

Wuppertal hat es vorgemacht. Ein Online-Shop für die Stadt wurde aufgebaut, in dem die Wuppertaler Einzelhändler sich präsentieren und ihre Produkte gemeinsam vermarkten können. Nun zieht Mönchengladbach nach – mit einem gewaltigen Unterschied: Nicht ein städteweites Shopping-Portal, sondern die weltweit agierende Ebay-Plattform soll den Weg aus der Misere des deutschen bzw. zunächst des nordrhein-westfälischen Einzelhandels weisen. Ebay als Retter des Einzelhandels? Kann das funktionieren?

Online-Marketing für eine Stadt

Seit Jahren kämpft der stationäre Einzelhandel mit sinkenden Kundenzahlen und stagnierenden Umsätzen, Städte mit Leerständen und sinkenden Steuereinnahmen. Die Ursache: wachsender Online-Handel und verändertes Einkaufsverhalten. Strategien müssen daher entwickelt werden, ‚digitale‘ Strategien. Eine davon heißt „Online-Marktplatz“ oder „Online-Schaufenster“. Stationäre Einzelhändlerinnen und -händler einer Stadt oder Gemeinde sollen sich zusammenschließen, so die Idee, um gemeinsam den Weg ins digitale Zeitalter zu gehen, um ihre Angebote gemeinsam online sichtbar zu machen („Online-Schaufenster“) und ggf. auch online zum Kauf anzubieten („Stadt-Shop“, „Online-Marktplatz“).

Sinnvoll bis nötig ist das, um dem sich wandelnden Verhalten von Kunden bei Informationsbeschaffung und Kauf(entscheidung) begegnen zu können. Wer oder was online nicht auffindbar ist, existiert in den Augen von immer mehr Kunden einfach nicht (mehr).

Technik für das Marketing-Konzept

Die technische Antwort auf diesen Marketing-Ansatz nennt sich „Multi Vendor Shop“: ein System, dass im Prinzip mehrere Einzelshops bzw. Händler zu einer großen Verkaufsplattform zusammenführt (oder, wenn Warenkorb und Kasse deaktiviert werden, zu einem Online-Katalog). Amazon basiert auf solch einem System. Das Wuppertaler Projekt „Online City“ ebenfalls. Und auch Ebay.

Es liegt nahe, ein bereits entwickeltes System zu nutzen. In Wuppertal griff man daher auf die Technik von Atalanda zurück, einem Start-up, dass sich auf die Umsetzung eben solch städtischer Web-Einkaufszentren spezialisiert hat. Mönchengladbach hingegen entschied sich für Ebay. So weit, so sinnvoll – technisch gesehen.

Mönchengladbachs Online-Marketing-Versuch

Ebay bietet jedem Händler die Möglichkeit, seine Waren ins System des Großkonzerns einzuspeisen, um so die eigenen Produkte gegen Gebühr zu verkaufen – bundesweit, europaweit, weltweit. Des Engagements einer örtlichen Werbegemeinschaft oder gar einer städtischen Abteilung für Wirtschaftsförderung bedarf es hierzu nicht. Eine Kooperation von Initiatoren aus Mönchengladbach mit Ebay sorgte allerdings für eine Erweiterung: die gemeinschaftliche Präsentation aller teilnehmenden Einzelhändler aus Gladbach unter der Domain mg-bei-ebay.de.

Unter dieser Adresse, die bei Aufruf direkt auf ebay.de/rpp/mg weiterleitet, werden die Teilnehmer am Pilotprojekt bzw. die von ihnen angebotenen Produkte zusammengeführt. Ein Klick auf eine der Produktkategorien listet die entsprechend eingeordneten Artikel auf, dank eines voreingestellten Filters ausschließlich von Verkäufern aus Mönchengladbach. Spätestens ein weiterer Klick auf die Rubrik „Auf eBay besonders beliebt“ deaktiviert diesen Gladbach-Filter allerdings – der Suchende befindet sich dann im vollumfänglichen Ebay-System und dürfte einige Mühe haben, die Vorauswahl auf ausschließlich örtliche Anbieter zu reaktivieren (falls hieran dann überhaupt noch Interesse besteht). Ähnliches passiert auf den Seiten für die Präsentation der Gladbacher Einzelprodukte. Das „Stöbern in Kategorien“ oder auch das Bemühen der Suchfunktion führt aus dem Gladbach-Ebay-Portal hinaus – in die große bunte Welt des ortsunabhängigen Online-Handels.

Trotzdem steht die Ebay-Gladbach-Startseite unter dem Motto: „Online shoppen, vor Ort abholen“ und verspricht: „Einfach online shoppen, Versandkosten sparen und bargeldlos sofort vor Ort abholen.“ Hintergrund ist die Funktion „Click & Collect“, die Ebay im Oktober 2014 in Deutschland eingeführt hat (siehe Pressemitteilung). Dumm ist, dass dieser Service nur ausgesuchten Händlern mit bundesweitem Filialnetz zur Verfügung steht, darunter Möbel Boss, A.T.U, Atelco, Saturn, MediaMarkt. Diese Filialisten haben vor vielen Jahren bereits ihren Weg ins digitale Shopping-Zeitalter von Ebay & Co. beschritten.

Dem inhabergeführten Einzelhandel in Mönchengladbach steht aber offenbar eine ähnliche Möglichkeit zur Verfügung. In der Beschreibung unter „Was ist ‚Mönchengladbach bei eBay‘?“ heißt es:

„Beim Einkaufen auf Ihrem lokalen Online-Marktplatz können Sie zwischen Click & Collect oder kostenloser Selbstabholung wählen. Dann legt Ihr Verkäufer die Artikel für Sie zur Abholung bereit. Viele Verkäufer bieten auch Versand an. Bezahlen können Sie entweder direkt online oder beim Abholen vor Ort.“

Neben „Click & Collect“ (per Ebay bezahlen, in einer Filiale abholen) steht also die Möglichkeit des Abholens und Bezahlens vor Ort zur Verfügung. Dies scheint nun eine Neuerung zu sein, die nur den an diesem Pilotprojekt teilnehmenden Mönchengladbachern angeboten wird. Hierdurch wäre es also möglich, Ebay als reinen Online-Katalog zu nutzen mit dem Angebot an potentielle Kunden, ausgesuchte Produkte reservieren zu können. Blöd nur, dass fast niemand diese Option aktiviert hat.

Quintessenz – eine Frage:

Stärkt eine Kooperation mit dem bundesweiten Ebay-Online-Handel tatsächlich den stationären Einzelhandel in Gladbach oder irgendeiner anderen Stadt?

Die Mönchengladbacher Einzelhändlerinnen und Einzelhändler haben eine deutliche Antwort gegeben: Zu Beginn des Projekts „Gladbach goes Ebay“ Anfang Oktober 2015 verzeichnete die MG-Startseite insgesamt 41 Teilnehmer. Ganze 16 von ihnen (bzw. von allen Gladbacher Händlern) sind dem Aufruf der Marketing-Initiative gefolgt und haben sich in den letzten Monaten bei Ebay als gewerblicher Verkäufer registriert. Der Rest der Teilnehmer ist bereits seit Jahren, manche seit über zehn Jahren, bei Ebay aktiv – lange vor dem unglaublichen Versprechen Ebays, den stationären Einzelhandel zu stärken.